Nachträgliche Horizontalabdichtung

 

Die Ausführung einer nachträglichen Horizontalabdichtung ist eine wesentliche Aufgabe im Rahmen der Altbauinstandsetzung. Sie wird in einem statisch sensiblen Bereich der Fundamentgründung ausgeführt und ist in Deutschland nicht genormt. Für die nachträgliche Horizontalabdichtung werden grundsätzlich zwei anerkannte Verfahren eingesetzt: das mechanischen Verfahren und das Injektionsverfahren (vielfach auch als Injektage bezeichnet).

 

Bei den mechanischen Verfahren werden nachträglich Abdichtungsschichten eingebracht. Im Wesentlichen kommen das Chromstahlblechverfahren und das Mauerschneide- oder -sägeverfahren zum Einsatz. Während beim Erstgenannten ein Chromstahlblech in die durchgehende Lagerfuge eingetrieben wird und Mauerwerksdurchtrennung und -abdichtung einen Arbeitsgang darstellt, wird beim Zweitgenannten zunächst das Mauerwerk auf- oder durchgesägt und anschließend abgedichtet.

 

Der Vorteil der mechanischen Verfahren besteht darin, dass eine Abtrocknung des Mauerwerkes oberhalb der Abdichtungsebene sofort nach der Ausführung einsetzt und eine „echte“ Horizontalabdichtung erfolgt, wobei die Betonung auf „Abdichtung“ liegt. Nachteilig ist, dass diese Verfahren nur von außen ausgeführt werden können und einen relativ hohen technologischen Aufwand erfordern, was sich letztendlich auch im Preis niederschlägt. Hinzu kommt, dass diese Verfahren massiv in die Statik eines Gebäudes eingreifen, so dass Gebäude in Hanglage, also bei seitlich angreifenden Kräften, in der Regel nicht ausgeführt werden können.

 

Im Gegensatz dazu gibt es Injektionsverfahren, die keine Abdichtung im klassischen Sinn darstellen. Über Bohrlöcher werden entweder drucklos oder mir Druck Injektionsmittel in das Mauerwerk eingebracht, die dort auf unterschiedliche Weise die Kapillarität unterbrechen. Bei einigen Verfahren darf der Durchfeuchtungsgrad einen bestimmten Prozentsatz nicht übersteigen, so dass das Mauerwerk vor der Injektion aufgeheizt bzw. vorgetrocknet werden muss, andere Systeme benötigen gerade einen hohen Durchfeuchtungsgrad, um reagieren zu können. Wiederum Andere sind abhängig vom Versalzungsgrad oder können bei gipshaltigen Mauerwerken nicht eingesetzt werden. Die Injektion erfolgt entweder über Flaschen oder alternative Vorratsbehälter sowie über Schlag- oder Schraubpacker. So gesehen haben sich die Injektionsverfahren in den letzten 10 bis 15 Jahren deutlich weiter entwickelt, damit auch hohlräumige, mehrschalige und/ oder Mauerwerke mit einem hohen Durchfeuchtungs- und/ oder Versalzungsgrad injiziert werden können. Einige Injektionssysteme sind zwischenzeitlich WTA-zertifiziert. Dies bedeutet, dass ihre Wirkung in Abhängigkeit zum Durchfeuchtungsgrad nachgewiesen wird. Die vielfach anzutreffende Skepsis, ob und wie diese Verfahren funktionieren, ist sicherlich berechtigt. Allerdings sind nicht funktionierende nachträgliche Horizontalabdichtungen meistens auf Verarbeitungsfehler, die falsche Einschätzung der Schadensursachen, oder die fehlende Kenntnis über Durchfeuchtungsmechanismen und deren Wechselwirkung zurück zu führen. Mit Letztgenanntem ist z. B. gemeint, dass durchaus durch die Sanierung das eine Problem zwar gelöst, dadurch aber unter Umständen ein anderes Problem geschaffen, wurde. Beliebtes Beispiel hierfür ist, dass durch die nachträgliche Horizontalabdichtung und der dadurch einsetzenden Abtrocknung des Mauerwerkes oberhalb der Abdichtungsebene die gelösten Salze auskristallisieren und auf der Oberfläche als Ausblühung sichtbar werden. Bauherren und Auftraggeber legen dieses „Schadensbild“ dann allzu gerne als Nachweis für „Pfusch am Bau“ aus. Dabei ist gerade dieses Zeichen der Abtrocknung ein Beleg dafür, dass die nachträgliche Horizontalabdichtung funktioniert. Ähnliche Beispiele gibt es noch in Bezug auf Kondensation und Schimmelpilzbildung oder auch der Verlagerung von Durchfeuchtungen bei nicht sachgerechten Teilsanierungen. Ausgeführt werden Verfahren zur nachträglichen Horizontalabdichtung im Sockelbereich oder oberhalb des Fundamentes (von innen oder außen). Oftmals ist aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk allerdings nur das Symptom für z. B. eine fehlende Vertikalabdichtung ist, für Leckagen oder für eine nicht ordnungsgemäße Regenentwässerung. Würden die oftmals im Umfeld eines Bauwerks tatsächlichen Ursachen einer Durchfeuchtung konstruktiv gelöst werden, müssten in vielen Fällen gar keine aufwendigen und teuren Horizontalabdichtungen nachträglich eingebracht werden.

 

Abschließend sollen noch die so genannten elektro-physikalischen Verfahren so genannte Schwingkreisverfahren genannt werden. Eine Gemeinsamkeit verbindet alle diese Verfahren: sie sind weder genormt oder technisch anerkannt. Sie entsprechen auch nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik. In der Fachwelt sind diese Verfahren nicht nur umstritten, sondern werden konsequent abgelehnt. Bei einigen Verfahren muss man sogar von Betrug am Kunden sprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 


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